Sabine Hübner

Der Göttervogel Garuda

Teisho zu den 100 Koan des Shoyoroku («Niederschrift aus der Klause des Gleichmuts»)

Großformat, 448 S., fest gebunden mit Fadenheftung
Leseband
ISBN 978-3-932337-70-3


In einer der Kōan-Geschichten des Shōyōroku sagt ein chinesischer Zen-Meister alter Zeit zu einem übermütigen Mönch: «Der wunderbare Garuda, der König der Vögel, herrscht über das Universum. Wer von unsresgleichen sollte sich da vorwagen wollen?» Er fragt damit, wer es wohl wagen könne, sich mit dem Wesen der Welt, dem Absoluten, zu messen, ihm ebenbürtig oder gar überlegen sein zu wollen.

Dieses mythologische Wesen Garuda, halb Vogel, halb Mensch, steht für das absolute Wesen des Universums, für den Urgrund von allem, was lebt und existiert. Diesen Urgrund gilt es auf dem spirituellen Weg zu erfahren, zu verinnerlichen und sich so zu einem freien und glücklichen Menschen zu entwickeln.

Diesem Ziel dient die Schulung mit den Kōan. Diese kleinen Geschichten erzählen wahre Begebenheiten und Gespräche, die zwischen den großen chinesischen Meistern alter Zeit und ihren Schülern, den oft kühnen und mutigen Mönchen, einmal stattgefunden hatten, um diese bis in die Erleuchtung hinein und darüber hinaus zu schulen. Aber auch heute noch üben viele Zen-Schüler erfolgreich mit den klassischen Kōan des Shōyōroku. Das vorliegende Buch beinhaltet Kommentare zu diesen Kōan-Geschichten, die ursprünglich vor Zen-Schülern der Autorin als Teishō — Dharma-Vorträge — gehalten wurden. Mögen diese Texte auch allen Lesern, die auf der Suche nach dem Wunderbaren sind, Freude bringen und vielleicht auch ein wenig Wegweisung sein.

 

Besprechung von Benedikt Maria Trappen für «Buddhismus aktuell» und «Der Kreis»:

Niemand besonderes, der nichts verstanden hat

In ihren erhellenden Vorträgen zu den hundert Koan des Shoyoroku, ursprünglich gesprochen zu Zen-Schülern des ‹Nürnberg-Zendo› in Heroldsberg bei Nürnberg, weist die Psychotherapeutin und Zen-Meisterin in der Linie von Willigis Jäger, Sabine Hübner, immer wieder auf das eine hin, das zu erfahren ist. Das wahre Wesen, die Buddha-Natur, ist im Grunde immer schon da, unberührt und unverändert, und kann Atemzug für Atemzug, Augenblick für Augenblick erfahren werden, wenn das Denken, Vorstellen, Urteilen, Sorgen zur Ruhe kommt. Die Stille offenbart Offenheit, Mitte, Weite, Seyn, das zugleich Nähe ist. Subjekt und Prädikat gehen in der Substantivierung der Verben auf. Sitzen, Gehen, Atmen, Kochen, Essen, Abwaschen, Kehren. Unmissverständlich macht sie immer wieder aber auch klar, dass kurze blitzartige Einsichten noch nicht bleibende Erleuchtung sind. Oft überwältigende Einsichten müssen ausreifen, jahrzehntelang, um Früchte zu tragen und beständig zu werden. Der Alltag ist der Ort der Erleuchtung und Bewährung. Um dorthin zu gelangen kann es durchaus hilfreich sein, zunächst die Lebensgeschichte gründlich aufzuarbeiten, auch mit professioneller Hilfe. Niemand besonderes, der Tag für Tag nichts besonderes tut und nichts verstanden hat. Dass diese Weisheit des Zen sich mit der Weisheit des Christentums durchaus verträgt, steht für Sabine Hübner außer Frage. Mit Paulus etwa kann man sagen: «Wer glaubt, etwas verstanden zu haben, hat noch nicht verstanden, wie man verstehen soll.» – Eine Lese-Empfehlung für alle, die eine einfache Seinsweise jenseits der Verstrickung ins unablässige Denken und Sorgen des Ich ahnen und ersehnen.


Ebenfalls von Sabine Hübner ist lieferbar:

Die Meister des Drachen-Samadhi. Teisho-Kommentare zum Denko-Roku (Aufzeichnungen über die Weitergabe des Lichts)

Shinjinmei und Shodoka. Das Löwengebrüll der furchtlosen Lehre

Die Stimme des Dharma. Darlegungen zu Rezitations-Texten der Rinzai- und der Soto-Zen-Schule

Das torlose Tor. Teisho über die 48 Koan des Mumonkan

Unter dem Westlichen Himmel. Zen — Leben in unserer Welt